25. Mai 2013, 08:45, Heimreise

Montag, 27.05.2013

 

Gestern (24.5.13) bin ich zum deutschen Konsulat in Mumbai wegen dieser Homestay-Erpressungs-Sache gegangen, wie erwartet konnte mir nicht wirklich weitergeholfen werden. Wenigstens hat man die Adresse der Travel Agency in Delhi kopiert und sie nehmen Kontakt zur Botschaft in Delhi auf, vielleicht bringt das was, wenn auch nur wenigstens als eventueller Schutz für andere Reisende. Ich bin mir inzwischen nicht einmal mehr sicher, ob die Agency nicht mit dem Penner vom „Ime Homestay“ unter einer Decke steckt...

 

So, jetzt sitze ich nach drei Stunden Schlaf in der Wartehalle vom Flughafen. Beim Check-In gab es noch eine Hürde am Immigrations-Schalter zu überwinden. Ich habe nämlich ein Employment-Visum und es war nicht 100%-ig bestätigt, dass ich mich beim zuständigen Büro in Bangalore nicht registrieren muss. Jeder meinte, er oder sie sei sich sicher, dass ich mich nicht innerhalb von 14 Tagen als Arbeiter registrieren müsse, aber selbst ein Verweis der deutschen Botschaft auf einen Gesetzestext klang sehr schwammig was die Relation vom Typ des Visums und die Länge des Aufenthalts angeht. Bla bla bla, letztendlich bin ich durchgekommen und warte aufs Bording :D.

 

Ich werde wieder in Dubai eine Zwischenlandung haben und Puneh noch einmal treffen, mit der ich in Hunsur ne ziemlich coole Zeit hatte, wie auch mit allen anderen :). Ich freue mich schon drauf, sie später zu sehen, das letzte Mal war vor gut zwei Wochen.

 

Heute um 19:20 Uhr Ortszeit werde ich in Frankfurt landen und ich freue mich riesig auf zu Hause!

 

13:13 Uhr, deutsche Zeit

 

Ich sitze gerade im Flugzeug von Dubai nach Frankfurt, wahrscheinlich werden wir 20 Minuten früher landen. Mit ein wenig Glück könnte ich sogar noch den ICE nach Berlin um 20:26 Uhr kriegen, dann wäre ich doch schon um kurz nach Mitternacht am Hauptbahnhof :D ! Im Terminal habe ich mich noch einmal mit Puneh getroffen, sie fliegt heute auch zurück nach Hamburg. Wir haben Kaffee geholt und sind in die Raucherlounge gegangen. Oh, nebenbei bemerkt, ich habe leider nicht durchgehalten und rauche seit drei Tagen wieder :/. Wie dem auch sei, es hat echt gut getan, sie nochmal zu sehen und ne Runde zu quatschen. Im Gegensatz zu mir ist sie aber traurig darüber, dass unsere Zeit schon vorbei ist. Einerseits bedeutet das für sie wahrscheinlich, aufgehört zu haben, als es am schönsten war. Das ist an sich eine gute Sache. Andererseits denke ich mir über meine Freude auf zu Hause, dass ich bereit bin, „weiter zu machen“. Ich werde mich in Berlin jetzt voll und ganz der Suche nach einer guten Ausbildung und dem Sport widmen, der mir in Indien sehr gefehlt hat, das habe ich öfter gemerkt. Nichtsdestotrotz hatte ich in diesem wunderbaren, durchgedrehten, so reichen und zugleich auch armen Land die Zeit meines Lebens, welche ich nie vergessen werde und welche mich geprägt hat. Ich habe mich in Indien weiter entwickelt und es fühlt sich verdammt gut an. Noch einmal danke an alle, die mich auf verschiedene Arten und Weisen zu „Leaving for India“ ermutigt und unterstützt haben!

 

Damit ist dieser Blog an seinem Ende, ich hoffe, er hat euch gefallen :) . Für mich war es zumindest wichtig, nieder zu schreiben, was ich in 62 Tagen Subkontinent erlebt und gedacht habe.

 

„Leaving for India“ - over and out! Und Namasté!!!

 

Freitag, 24. Mai 2013, 00:52 Uhr

Freitag, 24.05.2013

Wow, ich kann noch nicht ganz glauben, was mir eben passiert ist! Ich bin also vom Bahnhof Mumbai Central mit dem Taxi dahin gefahren, was der Typ vom Homestay dem Fahrer am Handy gesagt hat. In Colaba angekommen, hält das Taxi und irgendein bärtiger Typ mit einem Tattoo am Unterarm ungefähr in meinem Alter kommt ans Fenster und quatscht mich voll, ob ich ein Zimmer brauche. Ich meinte nein, ich hätte schon ein Zimmer im „Ime Homestay“ und sagte ihm, er möge mich in Ruhe lassen. Dann wurde er langsam sauer und währenddessen rief ich die Nummer von dem Typen vom Homestay an. Auf einmal beschimpft mich der Penner am Taxi mit „Asshole“ und holt sein Handy raus, nimmt einen Anruf an und sagt „Fuck you!“. Tja, ich habe dieses „Fuck you“ dann aus meinem Hörer gehört. Also war dieser Penner derjenige, der zum Homestay gehört. Er haut also mit seinen bekackten Freunden ab, lachend, und ich versuche ihm folgen, aber er war schon weg, als ich den Fahrer bezahlt habe. Ich rief ihn dann an, versuchte ihn zu beschwichtigen und dass er mich bitte zum Homestay bringen möge. Diese Ratte meinte dann am Handy, ich solle ihm 2000 Rupien (knapp 30 Euro!) geben, dann bringt er mich dahin. Natürlich bin ich nicht darauf eingegangen, sondern hab einen Polizisten angesprochen und er brachte mich zur Police Station. Auf dem Weg an einer Ecke, grinsen mich ein paar Gestalten an, darunter ein Bärtiger mit Tattoo am Unterarm. Ich sagte dem Polizisten, dass das der Typ ist, aber machte nichts weiter als kurz mit ihm zu reden und natürlich hat er alles abgestritten, komischerweise mit einem fetten Grinsen in seiner Visage. Als wir weitergingen, beleidigten diese ********* noch mich und meine Mutter, ist das zu fassen! Auf der Wache wurde mir dann geholfen, ich rief die Kontaktperson vom deutschen Konsulat an, er meinte, ich solle morgen früh vorbeikommen. Dann habe ich in den von Benni kopierten Seiten aus dem „Lonely Planet“ ein anderes Hotel gefunden und die Polizisten brachten mich zum Taxi. Jetzt bin ich im „Traveller´s Inn“, für 1880 Rupien, und rege mich so langsam wieder ab. Welcome to Mumbai... Gute Nacht. Ich freue mich auf zu Hause.

 

Sonntag, 19. Mai 2013

Montag, 20.05.2013

 

 

Erst einmal alles Gute an meine Tante Iris und meinen Bruder Kevin! Ich hoffe, eure Geburtstage waren schön, auch ohne mich :P .

 

 

Hier sitze ich also, in der Bergstadt Shimla im Bundesstaat Himachal Pradesh, am Fuße des Himalaya, in meinem kleinen Hotelzimmer und lasse die letzten Tage noch einmal Revue passieren.

Mir wurde klar, dass ich mit der vollen moralischen und finanziellen Unterstützung meiner Familie und der meiner Freunde das einmalige Privileg habe, die wahrscheinlich ausgiebigste, kulturnächste und prägendste Reise meines Lebens erleben zu dürfen. Ich kann meine Dankbarkeit dafür kaum ausdrücken. Ich meine, soviel wie ich hier herumgekommen bin, habe ich DIE ultimative Indienreise von geradezu A bis Z unternommen! Ich bin tausende Kilometer gereist, an unglaublich schöne Orte und habe die Kultur wie ein Schwamm aufgesaugt. Auch gestern und heute waren unvergessliche Tage.

 

Samstag, 18. Mai 2013

 

Gestern habe ich also das Entschädigungsangebot der Reiseagentur in Delhi wahrgenommen. Da der Taj Mahal am Freitag geschlossen war, konnte ich ihn „nur“ von außen sehen. Kumar hat mich dafür fünf Stunden lang von Delhi nach Agra gefahren und ich war sehr sauer, denn das hätte der Vollidiot von der Agentur wissen müssen. Also bekam ich drei Viertel des gezahlten Preises für den Ausflug zurück und obendrauf noch eine kostenlose private Sightseeingtour, wieder mit meinem echt sympathischen Fahrer Kumar :D .

Er fuhr mich zuerst in ein recht schmuddeliges Viertel und ließ mich mit einer Fahrradrikscha zu einer großen, roten und altertümlichen Moschee bringen. Danach ging es mit dieser Rikscha weiter zum berühmten Red Fort, dass ich aber aufgrund von Sparmaßnahmen nur von außen fotografiert habe. Das Fort ist riesig und hat laut Kumar anderthalb Kilometer Umfang. Danach ging es weiter zum wunderschönen Lotus-Tempel, der eben wie eine riesige Lotusblüte aussieht und eine Gebetsstätte für jede Religion ist. In diesem Tempel zu sitzen und einen moment inne zu halten war ein sehr spiritueller Moment für mich. Der nächste Halt war Humayun´s Tomb, also Humayuns Grab, ein Komplex 450 Jahre alter Moscheen und anderen Bauten mit dem Mausoleum von Humayun, das wie ein Palast aus „Aladin“ aussah. Außerdem noch einmal das India Gate bei Tag und das Regierungsviertel, das von den Engländern gebaut wurde, sehr pompös.

Am Ende sah ich noch einmal einen hinduistischen Tempel von innen, leider war fotografieren untersagt, aber es war der mit Abstand schönste Tempel, den ich hier in Indien gesehen habe, und ich habe viele Hindu-Tempel gesehen :) .

Abends brachte mich Kumar dann nach einer Tasse Ingwertee zum Bahnhof Old Delhi, von wo aus ich mit vier Stunden Verspätung den Schlafzug nach Kalka nahm. Der Bahnhof an sich war sehr voll, überall schliefen Leute auf dem Steinboden, bettelnde Menschen von blutjung bis steinalt kletterten zwischen den Gleisen umher und sammelten Plastikflaschen oder baten eben um Spenden. Die Atmosphäre war ziemlich zwielichtig und ich nahm mich sehr in Acht, da ich halt alleine reise, aber alles ging gut.

 

Am nächsten Morgen stieg ich dann in Kalka um in den „Shivalik Deluxe Express“ eine tolle nostalgische Schmalspur-Bergbahn, mit der ich durch die Berglandschaft in fünf Stunden zum 96 km entfernten Shimla fuhr. Das ganze erinnerte mich an die Bergbahn in der Schweiz, die ich während der Interrail 2010 mit den Jungs nahm, und als ich so daran dachte, fehlten sie mir ganz schön. In Shimla musste ich zwei Aufzüge „nach oben“ in das Hotel- und Touristenviertel für 10 Rupien nehmen, denn die Stadt ist auf einem Berghang gebaut und dementsprechend steil. Nachdem ich mich etwas ausgeruht habe, ging ich etwas essen und spazierte die Straße „The Mall“ hinauf, wo es außer vielen Schickimicki-Läden auch kolonialistische Architektur der Briten zu sehen gab, darunter die Town Hall, eine Kirche, ein nettes Pavillon-artiges Teehaus (wo ich einen grünen Tee trank, splendid ;) ) und einige andere Gebäude. Shimla liegt über 1800 Meter über dem Meeresspiegel und ist klimatisch deswegen genau wie in Mitteleuropa, sehr angenehm zur Abwechslung, denn Delhi und gerade Agra sind sehr heiß, bestimmt über 40° C. Aber hier sind es um die 25° C am Tag :D . Obwohl die Stadt wenig vom typischen „Dach der Welt“-Himayala hat, ist es wirklich nett hier, ähnlich unseren Alpen im Sommer, bloß typisch indisch mit Chaos und Schmuddeligkeit, haha. Endlich schmiss ich auch mal die letzten Postkarten ein, die hoffentlich in Deutschland ankommen werden. Ich ging dann noch ins Internetcafé und informierte mich über meinen Tag in Mumbai, holte mir danach ein Bier und schaute bis eben „How I met your Mother“, wobei ich die Bierflasche zerbrach, haha. Morgen habe ich eine Sightseeing-Tour durch die Umgebung und übermorgen werde ich den Berg hinab zum „The Gent“ wandern und mir irgendeinen netten Platz zum Lesen suchen. Am Dienstag (21.5.) fahre ich dann auch schon wieder zurück nach Delhi, um dann am Mittwoch weiter nach Mumbai mit dem Sleeper-Train zu reisen.

Moschee Lotus-Tempel Humayun's Tomb India Gate Praesidentenhaus Shivalik-Express Aussicht aus dem Zug Town Hall Shimla Der Aufpasser Shimla am Abend Ghandi Tea time, splendid, old chap! :D

Freitag, 17. Mai 2013

Freitag, 17.05.2013

Donnerstag, 16. Mai 2013

 

Noch neun Tage habe ich in Indien vor mir, die Zeit ist so verdammt schnell verflogen. Ich sitze gerade im Flugzeug nach Delhi, es ist 10:21 Uhr und eben kam die Aufforderung, alle elektronischen Geräte auszuschlaten, weil wir landen. Also schreib ich später weiter :).

 

Freitag, 17. Mai 2013

 

Okay, aus dem „später“ wurde dann doch erst ein Tag danach, :P. Wow, wo soll ich anfangen, ich habe echt ne Ewigkeit nicht den Blog aktualisiert. Wirklich extrem interessante Dinge sind bis gestern eigentlich nicht wirklich passiert, aber ich umreiße das Ganze aus den letzten zwei Wochen mal etwas:

 

Mittwoch, 8. Mai bis Dienstag, 14. Mai 2013

 

Am Mittwoch wurden die Wahlergebnisse in Indien bekanntgegeben. Weil Prakash, von dem ich immer wieder geschrieben habe, in der Politik bei der Partei „Congress“ tätig ist und ordentlich die regelrechte Propagandatrommel wirbeln gelassen hat, hat das auch vor uns Volunteers keinen Halt gemacht. Congress hat in unserer Gegend, Hunsur und Mysore District, die Wahlen gewonnen und Prakash nahm uns prompt mit nach Madikeri, wo wir schon einmal waren, um den Sieg zu feiern und am Donnerstag bei der Einweihungsfeier des neuen Hauses seines Bruders dabei zu sein. Diese sogenannte „Function“, also Feier, war echt langweilig, es waren zwar viele Leute anwesend, aber alle saßen herum und unterhielten sich träge. Zu meinem „Glück“ habe ich an dem Tag wirklich fiesen Durchfall bekommen, und das obwohl ich schon über 6 Wochen in Indien war, fail. Nachts haben wir auf dem Dach des befeierten Hauses unter freiem und von weit entfernten Blitzen erhellten Himmel geschlafen und konnten einige Glühwürmchen umherfliegen sehen. Zudem war die Location mitten im Wald, was eigentlich schon ein Dschungel war. Die Atmosphäre war dementsprechend schön :D.

 

Am Freitag waren wir wieder zurück in Hunsur und sind über das Wochenende drei Tage hintereinander nach Mysore gefahren, die nächstgelegene Stadt welche nur anderthalb Stunden Fahrt entfernt ist. Dort haben wir uns Iron Man 3 angesehen, waren Pizza essen und abends im Krankenhaus, da ich immer noch heftigen Durchfall hatte und die Angelegenheit langsam besorgniserregend wurde.... Für nicht einmal 20 Euro bekam ich im „Columbia Asia“ direkt eine Infusion, Blut- und Stuhlcheck sowie Antibiotika :D.

 

Die nächsten zwei Tage sind wir (Moritz, Benni, Basti und ich) dann also wie gesagt nach Mysore gependelt und deckten uns mit Souvenirs für uns und Freunde und Familie ein. Moritz und Benni haben und zwischendurch den Fleischmarkt von Mysore gezeigt. Ich konnte da nicht durchlaufen ohne ständig einen Würgreiz zu kriegen! Der Boden war durchzogen von Lachen aus Wasser und Blut, überall hingen triefende Hühner, stinkende Fische und Schafsgliedmaßen sowie Köpfe, Klauen und Innereien herum. Die Luft war erfüllt von Blutgestank und Fliegen. Kurz gesagt, ich konnte die nächsten Tage kein Fleisch essen und den Rest des Tages kriegte ich den Geruch des Marktes nicht aus der Nase. Ein Erlebnis, das in mir Respekt vor den sehr guten hygienischen Bedingungen in Europa geweckt hat!

 

Am Montag war der Durchfall endlich bekämpft und ich bereitete mich so langsam mental auf den Abschied vom Projekt, von Hunsur und vor allem von den wertvollen Freunden vor, die ich kennengelernt habe. Der Dienstag war dann der letzte richtige Projekttag für mich und am Abend haben Prakash, Benni, Moritz, Corni, Rieke, Basti und ich meinen Abschied gefeiert, was ordentlich begossen wurde ;). Die Leute haben mir sogar noch ein richtig geiles Abschiedsgeschenk mit Kokosnussöl (hilft gegen alles :D), einer Economy-Packung Kaugummis (damit ich einen Ersatz für Zigaretten habe) und einer indischen Flagge (die wohl schwer aufzutreiben war) gemacht! Ich war total gerührt, danke nochmal an euch!

 

Mittwoch, 15. Mai 2013

 

Tja, ordentlich verkatert hab ich mich dann Mittwoch Mittag mit Benni und Moritz nach Mysore begeben, wo ich nach der letzten Pizza bei Domino´s den Bus nach Bangalore genommen habe, weil am nächsten der Flug nach Delhi um 08:10 Uhr ging. In Bangalore angekommen, wollte ich eigentlich ein Zimmer nehmen, aber ich hätte um 4 Uhr nachts dann ein extrem teures Taxi zum Flughafen nehmen müssen. Deswegen bin ich direkt weiter mit dem Bus zum Airport und wollte in der Wartehalle schlafen. Dummerweise hat mich die Security nicht reingelassen, mit der Begründung, dass Passagiere erst drei Stunden vor Flug hereingelassen werden, schöne Scheiße.

Also habe ich mich auf einem nahe gelegenen Rasenstück bei einem Toilettenhaus niedergelassen, zwischen Kakerlaken und streunenden Hunden, mit meinem Schlafsack. Zum Glück hatte ich mein Sicherheitsnetz für mein Gepäck dabei und schloss es an. Immerhin gelang es mir unter ständigen Gestarre von Indern fünf Stunden zu schlafen, haha.

 

Am nächsten Morgen flog ich dann also nach Delhi und nahm mir ein viel zu teures Hotelzimmer. Da ich die letzten 9 Tage ganz allein reise, fühlte ich mich in dieser riesigen und teuren Stadt ziemlich verloren und einsam. Naja, jedenfalls buchte ich für extrem viel Geld eine Tour nach Agra, wo der Taj Mahal ist, sowie Tickets und ein Hotel in Shimla am Fuße des Himayala. Abends ging ich zum India Gate, eines der Wahrzeichen Indiens, ein riesiger Triumphbogen und Kriegsandenken. Das war echt beeindruckend, weil es in der Dunkelheit noch größer und majestätischer aussah :).

 

Donnerstag, 17. Mai 2013

 

Heute morgen holte mich ein Fahrer namens Kumar ab und brachte mich nach Agra, damit ich den Taj Mahal besuchen konnte. Nach vier Stunden fahrt fiel ihm dann aber ein, dass der Taj für Reinigung und Renovierung freitags geschlossen ist, super. Ich war stinksauer, natürlich konnte Kumar nichts dafür, denn er hat von dem Reisebüro lediglich den Auftrag, mich zu fahren, gekriegt. Naja, nachdem er mir das Red Fort und andere Sehenswürdigkeiten Agras gezeigt hat, brachte er mich so nah wie nur möglich an den Taj Mahal, nämlich auf ein Gelände auf der anderen Seite des Flusses, an dem das Weltwunder aus Marmor und edelsten Steinen vor 350 Jahren gebaut wurde. Der Anblick war atemberaubend! Auch aus der Ferne war das Palastähnlich Monstrum aus Tausend und einer Nacht unglaublich und ich habe mein erstes der sieben Weltwunder endlich selbst bestaunen können. Kumar hat mir noch viele interessante Dinge dazu erzählt und dann fuhren wir weiter zum „Baby Taj Mahal“, der bezeichnenderweise winzig im Vergleich zum Taj ist. Aber den konnte ich immerhin betreten und die schön verzierten Marmorwände berühren.

Um 18:00 Uhr abends war ich zurück in Delhi und habe erstmal im Reisebüro ordentlich Furore gemacht. Das hat auch Früchte getragen und ich habe als Entschädigung 3000 der insgesamt 4000 Rupien für den geplatzten Taj Mahal-Besuch zurückbekommen und für morgen noch zusätzlich eine private Rundtour durch Delhi mit Kumar als Fahrer geschenkt gekriegt :D. Nach diesem Erfolg bin ich im Connaught Place, einem kreisrunden Viertel mit drei „Circles“, in der Mitte (also das Bulls-Eye, wenn man so will) in den netten kleinen Central Park gegangen und kam ins Gespräch einem netten Inder namens Khavi, der in Delhi lebt und bei der Bank of America arbeitet. Wir habens uns zwei Stunden lang prächtig unterhalten und viel gelacht, Kontaktdaten getauscht und abgemacht, dass wir uns wieder treffen, sobald ich am 21. Mai aus Shimla zurückkomme und eine letzte Nacht in Delhi verbringe, um dann am 22. Mai den Schlafzug zu nehmen, mit dem ich geschlagene 23 Stunden nach Mumbai fahren werde, bevor ich wieder nach Hause komme.

 

Ich schätze, das hier ist der vorletzte Blogeintrag, aber einer geht noch! :D

 

Noch acht Tage, bis ich wieder in Deutschland bin, ich freue mich schon darauf. Aber meine Reise ist noch lange nicht vorbei :D !

 

Dienstag, 7. Mai 2013

Mittwoch, 08.05.2013



In der letzten Woche habe ich also versucht, nicht zu rauchen und weitgehend hat es auch bis heute geklappt :D. Tja, weitgehend bedeutet, dass ich nach zwei Tagen abends bei Prakash nach ein paar Bier auf dem Dach eine Zigarette angezündet und zweimal daran gezogen habe, haha. Moritz hat sie mir dann schnell entrissen und dann habe ich Schimpfe von ihm und Benni bekommen :´( . Bis auf dieses „Versagen“ habe ich jetzt immerhin acht Tage durchgehalten und komme erstaunlich besser klar als ich vorher gedacht habe. Die täglichen „Verlangensanfälle“ werden nach und nach weniger, nur wenn sich jemand anders eine Zigarette anzündet, werde ich etwas nervös. Alles in Allem könnte es schlimmer sein :). Mal sehen wie ich in Berlin so ohne Nikotin klarkomme...

 

Vor einer knappen Woche kam Simon, der Franzose mit dem ich ein Zimmer in meiner Gastfamilie geteilt habe, mit seiner Mutter Chantal für kurze Zeit zurück nach Hunsur. Simon war nämlich eigentlich schon fertig mit seinem Projekt und hat vor ein paar Wochen die Gastfamilie verlassen um rumzureisen. Doch an diesem einen Abend saßen wir alle auf Prakashs Dach und gaben uns aus Frankreich mitgebrachten Wein, Konservenfisch und eine französische Salami, der Himmel auf Erden nach Wochen indischen Essens :D.

 

Freitag, 3. Mai 2013, bis Sonntag

 

Nach dem tollen Abend mit den Franzosen sind wir am nächsten Tag nach Hampi aufgebrochen, ein Unesco-Weltkulturerbe mit gaaaaaanz vielen Tempelruinen :O . Nach 19 Stunden Reise und einer wieder mal leicht unbequemen Nacht im Semi-Sleeper-Bus waren wir in Hospet frühstücken und sind dann mit dem Bus nach einer halben Stunde in Hampi angekommen. Erstmal Zimmer für 150 Rupien (ca. 2,10 €) gemietet, schnell geduscht und Roller und Motorrad (:D) besorgt, um durch die Gegend zu gurken und diverse schöne fünfhundert Jahre alte Ruinen und wahnsinnig tolle Landschaften aus riesigen Felsbrockenformationen zu sehen. Am Abend sind wir auf einen Hügel, natürlich zwischen diversen Tempeln, gelaufen und haben uns den absolut wundervollen Sonnenuntergang angeschaut. Später sind wir in einem echt coolen Dachrestaurant essen gegangen, das mit Matratzen und niedrigen Tischen bestückt und schön hippiemäßig bunt war, echt chillig. Ich hatte einen Potato-Mushroom-Burger, der nicht mit Burgerbrötchen sondern Toastscheiben garniert war, haha. Wir sind irgendwie im chilligen Restaurant kleben geblieben, nicht zuletzt weil die Küche extrem langsam mit den Bestellungen war und wir immer mehr Getränke orderten, was die nicht sehr kompetente Bedienung schnell überforderte, haha. War ein hammer Abend :).

Am nächsten morgen verließen wir unsere „Knastzimmer“ und nach einem ausgiebigen und extrem entspannten Frühstück im bezeichnenden „Chill out“, das genau wie das Restaurant zuvor total relaxed eingerichtet war, sind wir mit der kleinen Fähre über den anliegenden Fluss geschippert. Dann haben wir uns wieder Zweiräder geliehen und sind durch die schöne Landschaft gefahren, bis wir an einem See ankamen und etwas baden gingen. Ein paar Inder, die auch an dieser Badestelle waren, haben dann wohl ihre Freunde angerufen, weil es ja eine absolute Sensation ist, wenn Weiße schwimmen gehen. Manche Leute hier sind echt Idioten... Whatever, nach dieser Erfrischung ging es auf dem Motorrad weiter zum legendären Hanuman-Tempel. 600 (!) Treppenstufen aus weiß angemalten Stein mussten bezwungen werden, überall beobachteten uns Affen und kamen uns sehr nahe :D. Ich war so „schlau“ eine kleine Bananenstaude zu kaufen um die Affen zu füttern, was total nach hinten losging, weil die Viecher um Moritz und mich beim Anblick der Bananen wie angestochen herumgesprungen sind und fast aggressiv wurden, hahaha. Wir haben die Staude dann in Panik einfach auf den Boden geschmissen und zugesehen, dass wir wegkamen :/ . Der Hanuman-Tempel war mit seiner hohen Lage sehr stimmungsvoll, Mönchsgebete drangen aus dem Gebäude und vermischten sich mit dem unendlichen Ausblick auf Gerölllandschaften, Flüssen und Feldern zu einem spirituellen Erlebnis. Ein freundlicher Guru schenkte uns Ingwer-Tee mit Milch ein, der wirklich gut war. Nach einer Weile stiegen wir wieder hinab und fuhren zurück nach Hampi, um uns auf den Weg „nach Hause“ zu machen. Schönes Ding.

Die Gang Ein Tempel Der Underground-Tempel Noch ein Tempel Tarzan, yeah Ah, ein Tempel! Basti und Moritz, die Kecks :D Badass! Jop, Tempel Corni zwischen Felsen Vordergrund: Fels, Hintergrund: Tempel Tach Schick Einer der schönsten Sonnenuntergänge, die ich bis jetzt gesehen habe Ganesha am Fluss Brömmm! Der Fischer im runden Boot Monkey! 600 Stufen! Hanuman-Tempel What up!

 

 

Montag, 29. April 2013

Dienstag, 30.04.2013

Nach einer gefühlten Ewigkeit ohne Blog-Updates will ich euch mal wieder auf den neuesten Stand bringen :D .

 

Samstag, 20. April 2013

 

Am Samstag sind wir mit Prakash in seinem Maruti-Suzuki nach Bangalore gefahren, um uns nach einer guten Stunde Stadtstau (der immer vorhanden ist) ein Hockeyspiel im Stadion anzuschauen. Auf dem Weg dahin machten wir eine Pause beim „Chicken Empire“, einer Restaurantkette, das verdammt leckeres Hühnchen zubereitet und mir jedes Mal das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt wenn ich nur daran denke :) . Dann kamen wir nach dem besagtem Stau nach 6 Stunden am Stadion an. Es war zwar interessant sich das Spiel zu geben, aber ehrlich gesagt finde ich selbst Fußball spannender und ich bin kein großer Fußballfan, haha. Auch das Stadion war nur sehr vereinzelt gefüllt und erinnerte an die Sportplätze in der Schulzeit. Es war also kein erhofftes Riesenevent mit Menschenmassen und Fernsehübertragungen, aber immerhin war es ziemlich cool mit dem Kapitän der indischen Vizemeister ein Foto zu machen. Später checkten wir alle in einem Hotel namens „S.S. Residency“ (haha! Witzig!) ein und glühten mit schlechtem indischen Whisky für den Clubbesuch im Edelhotel vor, der überraschenderweise ziemlich nice war. Nur hinken die indischen DJs der aktuellen Musik um ca. zwei Jahre hinterher. Das dreisteste war, dass ich Tequila im Club bestellte und dachte: „Das kostet ja eh kaum was, wie alles in Indien“, damit aber dezent falsch lag und umgerechnet ca. 6,25 € (!!!!) für 2 cl (!!!!!11!elf!!) zahlen musste! Heftig, aber die Party war ganz nett, eigentlich größtenteils Weiße. Um halb zwölf, wie es für Bangalore und auch andere Großstädte üblich ist, war dann Sperrstunde und wir mussten alle gehen, aber nicht ohne vorher noch ein letztes überteuertes Bier getrunken zu haben :D . Nachts haben wir Mädels und Jungens dann noch schön in der „S.S. Residency“ (:D) rumgespackt, besonders der Basti, haha. Der nächste Morgen war ziemlich ekelhaft, Kater in einer 8-Millionen-Stadt bei über 32° Celcius macht keinen Spaß und erinnert leicht an „Hangover 2“, xD.

 

Dienstag, 23.4.2013

 

Heute sind wir zum Golden Temple gefahren, in einem Ort der irgendwie Balkupar oder so heißt, anderthalb Stunden Fahrt von Hunsur entfernt. Es sah so aus, als wäre das ganze Gelände mit Häuserkomplexen auch gleich ein Zuhause für die tibetanischen Mönche. Ach so, das Golden Temple Komplex-Dingens ist buddhistisch und hier in Indien sieht man immer wieder in typisch rot-gelben Gewändern gekleidete Mönche mit Glatzen. Mir wurde erklärt, dass es sich teilweise um Flüchtlinge aus Nepal handelt, die dort bekanntermaßen unter chinesischem Einfluss unterdrückt wurden und immer noch werden.

Wir sahen uns schöne palastähnliche Bauten, Malereien und riesige goldene Buddha-Statuen an und aßen dann noch Mittagessen (ich hatte Chinese Noodles, lecker), danach ging es zurück nach Hunsur.

 

Irgendwie ist mir aufgefallen, dass ich recht wenig bis nichts über mein Alltagsleben in Hunsur schreibe... Naja, eigentlich gibt es nicht allzu viel erwähnenswertes. In der Regel stehe ich gegen 9 Uhr morgens, also recht spät auf und dusche mich. Danach stellt mir Dippu, die Schwiegertochter, das Frühstück hin und manchmal gibt es danach noch eine kleine Tasse Kaffee. Dippu ist 24 Jahre alt und tut mir übrigens ziemlich leid, da ihr Zweck in der Familie wie bei offensichtlich jeder angeheirateten Tochter darin besteht, die regelrechte Haussklavin zu sein. Nachdem ich das Haus verlassen habe, laufe ich gute 5 Minuten die H.D. Kote Road bis zu dem „Kreisverkehr“ namens H.D. Kote Circle runter und schlürfe noch einen Kaffee an einem Stand für 6 Rupien, was umgerechnet nicht einmal 9 Cent entspricht. Um 11 Uhr vormittags fängt dann meine erste Spoken English Class an, ein netter Haufen aufgeweckter Mädchen, Frauen und zwei Jungs. Meine Lieblingsschülerin ist ein schlaues 12-jähriges Mädchen, weil sie für ihr Alter viel weiß und sich fast immer meldet. Und irgendwie ist sie ganz putzig :) . Nach drei Stunden Pause, in denen ich Lunch essen gehe oder ins Internetcafé, geht es mit der inzwischen zweiten Spoken English Class weiter, bei der die Schüler kaum etwas verstehen geschweige denn sagen können. Bei ihnen fange ich mit einfachen Vokabeln wie Wochentags- und Monatsnamen an. Um 16 Uhr folgt dann noch eine Stunde Computer Class. Und ab 17 Uhr hänge ich noch mit den anderen Volunteers rum, gehe zu Prakash oder lese. Gegen 20 Uhr gäbe es dann Dinner bei meiner Gastfamilie, aber ich esse öfter auswärts weil das Essen „zu Hause“ meistens gleich schmeckt und nicht so mein Ding ist.

Eigentlich sollte ich immer zwischen 20 und 21 Uhr wieder zu Hause sein, da man in dieser ländlichen Gegend als Weißer nicht allzu lange draußen sein sollte, was ich für Schwachsinn halte und nicht wirklich Ernst nehmen kann, geschweige denn vor den Einheimischen Angst habe.

Friederike, die neue in meiner Gastfamilie, hat übrigens schon etwas Ärger bekommen, da sie um 20 Uhr noch nicht zu Hause war, Emanzipation, say whaaaat. Am Abend gucke ich noch „How I met your Mother“ und schlafe so gegen halb zwölf ein. So viel zum Leben in Hunsur :) .

 

Mittwoch, 24. April 2013 bis Sonntag, 28. April 2013

 

Um 19 Uhr ging es am Mittwoch nach Gokarna, ein Ort am Meer der auch „der kleine Bruder Goas“ genannt wird. Nach einem Umstieg in Mysore sind Theresa, Puneh, Basti und ich mit dem Semi-Sleeper Bus dann zwölf Stunden nach Mudeshwara gefahren, wo wir die riesige Shiva-Statue mit einer Höhe von mehr als 20 m sahen. Mir lief ehrlich gesagt ein Schauer über den Rücken, da diese Statue schon aus der Ferne so unwirklich riesenhaft war. Mit dem Zug ging es dann endlich weiter nach Gokarna, wo wir uns ein Taxi nahmen das uns am Middle Beach absetze, nur dummerweise irgendwo im Nirgendwo. Also liefen wir ungefähr zwei Kilometer den Strand entlang, ich mit Punehs Koffer auf der Schulter, und kamen dann im vorerst enttäuschenden Zentrum Gokarnas an. Nach 20 Stunden Reise, verdreckt und erschöpft, nahmen wir uns auf einem Hügel zwischen dem Middle Beach und dem Kudle Beach sehr cool gelegene Zimmer. In einem Strandrestaurant bekamen wir schlecht imitierte „italienische“ Nudeln mit Soßen, die aber nach wochenlangen und langweiligen Reis und Sambas echt lecker waren, und endlich ein kühles Bier, oder zwei ;D.

Die Strände von Gokarna sind ziemlich schön, wir waren wie gesagt zwischen Middle Beach und Kudle Beach, aber es folgen hinter letzterem noch der Om Beach, der kleine und felsige Half Moon Beach (wo ziemlich viele Kiffer herumhingen :/ ) und der Paradise Beach, wo besprühte Ruinen und ein Hängematten-Camp eine chillige Atmosphäre erzeugen. Wir sind zweimal von den entfernteren Stränden mit einem Motorboot zurück gefahren, weil die Wege zwischen den Stränden aus Mondlandschaft-artigen Lavasteinebenen und engen Trampelpfaden durch den Busch und vorbei an Abgründen führten und somit recht anstrengend waren. Dazu noch das extrem schwüle Klima und man ist ungelogen nach 5 Minuten wandern klitschnass. Achja, wir trafen noch zwei Freunde von Theresa, die wie sie selbst aus dem schönen Salzburg kommen und echt cool drauf waren. David und Alina sind ein Paar, das auf eigene Faust durch Indien reist und vor einigen Wochen einen hilflosen Welpen aus dem buchstäblichen Müll gerettet und aufgepäppelt haben, die Momo. Eine sehr süße kleine Hündin, wenn auch verständlicherweise etwas unterernährt. David und Alina haben vor, Momo mit nach Hause zu nehmen und nehmen dafür die ganze Bürokratie und Quarantäne und was es nicht noch alles gibt in Kauf, wovor ich großen Respekt habe.

Am zweiten Tag mietete ich mir ein Motorrad, eine Hero Honda mit 100 ccm, die jeder zweite Inder zu besitzen scheint. Ohne Helm und in Badehosen und Flip Flops bin ich dann unterwegs gewesen :D. Abends bin ich mit einer Französin namens Maèva mit dem Motorrad noch in das Dorf gefahren, wo eine Art Karneval zur Beschwörung der Regenzeit ziemlich heftig und laut abging, hat echt Spaß gemacht sich das anzusehen. Irgendwie war es wie eine Mischung aus Gay Pride und Karneval mit Goa-Mucke und verkleideten Gestalten, hammer. Irgendwann war es dann aber doch etwas sehr laut und ich bin mit Maèva wieder zum Kudle Beach gefahren. Es war übrigens in dieser Nacht Vollmond und der Strand war in silbernes Licht gehüllt.

Die weiteren Tage bestanden aus Chillen am Strand und Essen, sehr entspannt halt.

Irgendwie hat mich Gokarna auch ziemlich nachdenklich und melancholisch gestimmt, zeitweise auch etwas zurückgezogen. Eigentlich ist dieser Ort auch viel besser für Pärchen geeignet..

Schon in Bangalore letztes Wochenende entschloss ich mich dazu, nach einer Woche mit dem Rauchen endlich aufzuhören, weshalb ich in den letzten Tagen in Gokarna noch einmal richtig, richtig viel rauchte um es einerseits noch einmal zu genießen und andererseits etwas Ekel vor Kippen zu bekommen, was nicht ganz so klappte, haha.

 

Am Sonntag (28.4.) war mein letzter Tag als Raucher und heute, am Montag, ist mein erster rauchfreier Tag. Meine letzte Zigarette habe ich natürlich von Puneh filmen lassen und ab jetzt ergänze ich mein Videotagebuch mit einem Nichtrauchertagebuch, mal sehen wie´s läuft...

Aber schon heute hatte ich Schwindel, launische Momente und starkes Verlangen nach einer Zigarette. Jetzt am Abend um 19 Uhr ist der Suchtdruck etwas besser geworden und ich kaue dieganze Zeit Kaugummi, um meinen Mund beschäftigt zu halten.

Ich hoffe wirklich, dass ich es schaffe dauerhafter Nichtraucher zu sein und mich mehr auf Sport und Ernährung zu konzentrieren, was mir sehr gut tun würde und auch schon vor Indien tat.

 

Joa, das war bei mir in den letzten Tagen los, bald folgen Geschichten von Glatzen schneiden lassen und Trekkingtouren im Himayala ;D

 

Ich vermisse euch und denke oft an die Heimat! Stay tuned!

 

 

Blick von meiner Terrasse Der Kapitän der indischen Hockey-Vizemeister    Prakash :D Ich, Moritz, Cees und Basti mit irgendwelchen Indern haha Haha Moritz :D Golden Temple Rieeesige Buddhastatuen! Riesen-Shiva :O Monsun-Fest Kudle Beach in Gokarna Yay! Om Beach Die Momo :) Om Beach Bootsfahrt Coole Malerei am Half Moon Beach Paradise Beach

 

 

16. April 2013

Dienstag, 16.04.2013

Mittwoch, 10. April 2013

 

Heute war die Abfahrt zum Get-Together unter uns Freiwilligen angesagt und ausgerechnet heute wurde ich krank und war kurz davor, Fieber zu bekommen. Das hätte für mich bedeutet, dass ich nach Mysore zur Untersuchung im Krankenhaus hätte fahren müssen. Deswegen entschied ich mich dafür, nicht mit nach Kodaikanal zu fahren und erst einmal auszukurieren. Nachdem ich aber abends wieder bei meiner Gastfamilie war, packte ich doch noch schnell meine Sachen und fuhr zum Busbahnhof, um die anderen spontan in Mysore zu treffen und mitzukommen. Dummerweise gab es ein Missverständnis zwischen mir und Sebastian am Telefon und als ich ankam, waren alle schon weg. Der nächste Bus hinterher wäre auch erst am nächsten Tag gegen 06:30 Uhr gekommen und so bin ich ziemlich demotiviert wieder zurück zu meiner Gastfamilie gefahren.

 

Freitag, 12. April 2013, bis Sonntag

 

Endlich ging es mir wieder besser, zum Glück habe ich mir doch nur eine Erkältung eingefangen, die sich aber bei den Temperaturen hier heftiger anfühlt. Ich bin ein paar Nächte zuvor völlig verschwitzt ins Bett gegangen und hatte den Ventilator auf maximal gestellt, das muss der Grund gewesen sein.

Also bin ich am Freitag wieder nach Mysore gefahren und nahm den nächsten Bus nach Ernakulam. Das Get-Together habe ich leider verpasst, die Fotos der anderen haben mich echt neidisch gemacht. Aber in Ernakulam bzw. Kochin würde ich die Leute wieder treffen und eine Tour durch die Backwaters machen. Gesagt getan, Freitag also um 18:15 in den Reisebus eingestiegen und Samstag nach guten zehn Stunden Fahrt um ca. 05:00 Uhr angekommen. Meine Leute waren noch nicht da, also habe ich mir nach langem Rumgelaufe kurzerhand eine Suite in einem schicken Hotel gegönnt, um noch etwas zu schlafen. Dieser Spaß hat umgerechnet 12,50 € gekostet, aber er war jede Rupie wert :D . Gegen halb zwölf kamen dann auch die anderen an und wir setzten mit der Fähre über den Fluss zum schönen Stadtteil Kochins über, ein Fischerviertel mit vielen interessanten Läden und Restaurants, außerdem direkt am Arabischen Ozean gelegen. In der Princess Street nahmen wir uns Zimmer und liefen stundenlang durch die Straßen, aßen Meeresfrüchte, trafen einen Berliner der eine Asien-Rundreise macht, sahen uns eine hübsche Kirche an, fotografierten echt schicke Street-Arts an den Hauswänden und schlenderten durch das jüdische Viertel, wo es eigentlich nur Läden mit Kitsch aus Messing gab und die Verkäufer uns mit auswendig gelernten Sätzen wie „Gucken kost´ nix!“ anquatschten. Abends setzten wir uns an den Strand, hörten Musik und genossen die romantische Atmosphäre der seltsamen Fischernetzkonstruktionen, des Treibens an der Promenade und der beleuchteten Hafendocks auf der anderen Seite der Bucht.

 

Insgesamt erinnert mich Kochin ziemlich an Venedig, wegen der verblüffend ähnlichen Atmosphäre und vielen Analogien wie eben dem jüdischen Viertel und der engen Labyrinth-ähnlichen Straßen. Am nächsten Tag ging es morgens los zu einer Bootstour zu den Backwaters, von denen ich gehört habe, dass einige Touristen nur deswegen nach Indien kämen. Mit einem Boot aus Bambus und Palmenblättern, das von einem Steuermann ähnlich eines venezianischen Gondoliers mit einem langen Stock fortbewegt wird, trieben wir gemächlich über den vom Dschungel umsäumten Fluss und Gewässern. Es war ganz nett, aber irgendwie hatte ich zu hohe Erwartungen, indem ich dachte, ich würde das achte Weltwunder der Natur zu Gesicht bekommen, haha. Nach ungefähr anderthalb Stunden legten wir auf einer kleinen Insel an, um ein recht leckeres Lunch zu essen, das wie üblich aus Reis und diversen „Sambas“ (Soßen) bestand. Danach wechselten wir das Boot, diesmal ein schmaleres und längeres, wie man es vielleicht im Fernsehen auf dem Amazonas schon gesehen hat. Den breiten Fluss ließen wir hinter uns und fuhren ab jetzt in kleine, wahrscheinlich von Menschenhand gemachte Kanäle, links und rechts davon Wohnsiedlungen mitten im Wald. Das war ein klischeehaft indischer Anblick und erinnerte an Szenen aus dem Dschungelbuch, wirklich sehr schön und verträumt. Unser Guide zeigte uns an Land noch die verschiedensten Kräuter, Bäume und Gewürze und deren Verwendung, wie zum Beispiel die indische Version von Basilikum oder den Insulin-Baum, und dann ging es wieder zurück nach Kochin. Wir tranken noch einen entspannten Kaffee und kauften das ein oder andere Souvenir, gingen abends noch essen und fuhren dann um 21:30 Uhr wieder zurück Richtung Hunsur. Es war wieder ein sehr schönes Wochenende.

Dienstag, 9. April 2013

Mittwoch, 10.04.2013

Freitag, 5.4.

Erstmal alles Gute zum Geburtstag an Jérome, meinen Lieblingsfranzacken :D! Ich wünschte, ich könnte mir dir und allen anderen feiern, Alter!

Am Freitag war ein hinduistischer Feiertag und in Hunsur wurde aufgrund dessen an einem kleinen Hindu-Tempel ein Fest veranstaltet, das Simon und ich uns nicht entgehen lassen wollten. Dort angekommen, wurden wir direkt von dutzenden überaus freundlichen Indern belagert, Hände wurden geschüttelt, Essen wurde aus riesigen Töpfen aufgetischt (sehr lecker, hat wie Gulasch geschmeckt, mit Reis), unzählige Fotos wurden geschossen, Unterhaltungen geführt und Blumenketten wie auf Hawaii verteilt. Vor allem die Kinder waren an uns zwei weiße Typen aus dem Westen interessiert, womöglich haben einige von ihnen vorher noch nie einen Weißen zu Gesicht bekommen, haha. Nach anderthalb Stunden, so nett es auch war, wurde es uns dann aber doch etwas zu viel und wir sind nicht ohne Eskorte von einer Traube aus Kindern wieder gegangen. Das war ein schönes Beispiel für indische Gastfreundlichkeit :) .

 

Samstag, 6.4., bis Sonntag

Am vergangenen Wochenende sind wir, also Theresa, Corni, Puneh, Basti, Simon, Mareike, Angie und ich, zu einem zweitägigen Trip in die Umgebung von Hunsur aufgebrochen. Gegen 9 Uhr morgens kamen wir dann an einem Elefantenpark an, etwa nach einer Stunde Fahrt. Eine ganze Herde indischer Elefanten trottete in Ketten auf dem Gelände herum, was einerseits atemberaubend aufgrund der direkten Nähe der Elefanten zu uns, andererseits aber auch recht verstörend wegen der Haltungsbedingungen war. Die Wärter laufen mit Haken herum und stechen die armen Tiere damit in die zwar sehr harte und dicke Haut, aber schön anzusehen ist das keineswegs. Nachdem trotzdem dutzende Fotos geschossen und diverse Posen vor und mit den Elefanten geposed wurden, durfte jeder für knapp zwei Minuten auch mal auf einem reiten! Man denkt gar nicht, dass es von dem Rücken eines Fantis so tief runter geht und man muss sich echt gut festhalten, wenn sich die monströsen Glieder schwerfällig in Bewegung setzen. Sollte jeder mal gemacht haben, hat definitiv viel mehr Stil als auf so nem ollen Pferd zu reiten :D .

Ein paar Stunden später sind wir im Städchen Madikeri angekommen und haben uns eine Ferienwohnung angemietet. Später sind wir in den Park gegangen, der auf einer Art Plateau liegt. Von diesem Plateau hat man eine wunderschöne Aussicht auf eine weitläufige Hügellandschaft, wobei das schon eher nach einem kleinen Gebirge aussah, jedenfalls ganz toll. Nach etwas Herumgelaufe fanden wir einen noch besseren Platz zum Genießen der Landschaft und Musik hören. Hört sich trocken an, wenn ich das hier so dahinschreibe, aber die schöne Atmosphäre wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Abends haben wir dann noch ein bisschen gefeiert und am nächsten Tag fuhren wir mit Rikshas zu den Abbi-Falls, ein netter Wasserfall im Dschungel. Wir sind aber entdeckungsfreudiger gewesen und fanden in der Nähe einen wunderschön verträumten Bach, wo wir uns ein paar Stunden niederließen um abzuhängen. Basti fand ein Stück Bach-abwärts eine gute Stelle zum Baden, was wie gerufen kam, da es Mittag und das kühle Wasser perfekt gegen die unbarmherzige Hitze war. Simon kletterte auf einen Baum und sprang von einem Ast ins Wasser, was Basti und ich dann auch unbedingt machen wollten. Nachdem ich mich also mit großer Mühe zu diesem Ast gehievt habe, sprang ich nach minutenlangen rumschissern. Dummerweise war das Wasser ziemlich trüb und ich knallte mit der Hüfte und der linken Ferse auf Steine. An der Ferse bildete sich ziemlich schnell eine fette Blutblase, autschn. Auf dem Weg zurück haben wir dann noch kurz mit ein paar Indern vor ihrem krassen pinken Wohnmobil getanzt und machten uns dann auf den Weg zurück nach Madikeri. Beim Laufen ist mir natürlich die Blutblase aufgeplatzt und das Blut spritzte so hoch, dass es mir die Badehose eingesaut hat, hahaha. Seitdem bin ich etwas humpelnd unterwegs, aber inzwischen brauche ich für die Wunde keinen Verband mehr :) . Spät abends kamen wir nach zweieinhalb bis drei Stunden Busfahrt, und zwar stehend, nicht sitzend!, wieder in Hunsur an und sind eigentlich gleich schlafen gegangen. War ein hammer Wochenende, ähnliche werden folgen :D .

 

Montag, 8.4., bis Dienstag, 9.4. 

Die Woche fing ziemlich verplant an, im wahrsten Sinne des Wortes. In meinem Project, dem „Spoorti“ Women Empowerment, steht der Stundenplan auf dem Kopf. Nachdem wir einen fünften Volunteer, nämlich Cees (sprich engl. „case“) aus Holland bekamen, war die Hoffnung groß, dass der neu zu entwerfende Stundenplan klarer und weniger chaotisch wird. Falsch gehofft, haha. Ich arbeite zum Beispiel ab sofort erst ab 14 Uhr für eine Stunde und später nochmal nur eine Stunde ab 16 Uhr, zwei Stunden Arbeit täglich, nicht wirklich befriedigend. Dann gibt es noch das Problem, dass viele meiner Schüler für die Computer Class um 16 Uhr denken, die Stunde würde um 15:30 oder 16:30 beginnen, auch nicht optimal. So cool Prakash (mein Boss) auch drauf ist, etwas Organisationstalent sollte er besser noch nachlegen. Immerhin lerne ich damit mich in Geduld zu üben und meine Erwartungen herunter zu schrauben. Kann für das Leben zuhause nicht schaden :) . Ich lasse mich manchmal immer noch zu sehr vom Kopfkino herunterziehen und es fällt mir öfter schwer, mich schnell wieder zusammen zu reißen. Ich hoffe, das gibt sich mit der Zeit, sodass ich mich mehr auf Indien als auf ein Mädchen in Berlin konzentrieren kann. Ab morgen Abend geht’s wieder auf Reisen, diesmal zu einem Get-Together in Kodaikanal, etwa zehn Stunden Fahrt von Hunsur. Ab Freitag wollen wir dann noch weiter zu den wohl atemberaubenden Backwaters von Utti.

Ick bin jespannt wie n Flitzebogen, Freunde der Volksmusik...

  Nachtaufnahme vom Dach meiner Gastfamilie Der Bach im Dschungel Die Abbi-Falls Ausblick von Madikeri Elefanten-Segen Yeeeah Sunitha, meine Gastmutter, mit Snighda und uns Gastkindern Auf dem Fest Meine Crew, tschiah!

Freitag, 5. April 2013

Montag, 08.04.2013

Montag (1.4.) fing mein und Sebastians Project an, in einer Art Frauenweiterbildungszentrum namens „Spoorti“ (Kannada für „Power“) . Praktikawelten hat uns nämlich ausgerechnet diese Art von Arbeit zugeteilt, obwohl ich ausdrücklich um Sozialarbeit mit Kindern gebeten habe. Na gut, dachte ich, let´s give it a try... Und die erste knappe Woche war auch gar nicht mal so übel, wir unterrichten in „Spoken English-“ und „Computer Classes“, wobei wir grundlegende Sprachkenntnisse und den Umgang mit PCs sowie Microsoft Office vermitteln. Die Mädchen und Frauen beherrschen größtenteils nur sehr dürftiges Englisch, ganz zu schweigen vom Schreiben. Zum Glück konnten unsere Vorgänger Moritz, Cara und Cornelia zumindest den Umgang mit Maus, Keyboard usw. an die Frau bringen, deswegen fangen Seb und ich nicht bei Null an. Wir müssen natürlich viel Geduld an den Tag legen was das Unterrichten betrifft und für beispielsweise einen Text wie „Save Tonight“ von den „Eagle-Eye Cherrys“ brauchen die Schülerinnen mehrere Sitzungen. Aber auch in den vergangenen vier Tagen konnte man zumindest millimeterweise Fortschritte bezüglich der Skills erkennen. Übrigens arbeiten Seb und ich jeweils um die drei Stunden täglich, also drei Klassen pro Tag. Anfangs dachte ich, genau wie ihr jetzt, dass das ganz schön wenig ist, aber die „wenigen“ Stunden verlangen recht viel Mühe und Geduld ab. Die Frauen sprechen uns sogar mit „Sir“ an und sind teilweise älter als wir! Außerdem, wie es für Indien typisch ist, sind sie gegenüber fremden Männern wie uns eher introvertiert und nicht wirklich selbstbewusst. Dennoch wird viel gelächelt und die Atmosphäre ist ist ziemlich freundlich. Ich denke, dieses Projekt ist zwar nicht das was ich mir erwünscht habe, aber nichtsdestotrotz unterstützen wir mit unserer Arbeit die Verwirklichungschancen der Frauen und tun damit etwas Gutes. Und: unser „Boss“ ist ein knuffiger Kerl namens Prakash, der die reine Helfernatur und dazu noch ein richtig korrekter Typ ist. Wir alle haben uns direkt mit ihm angefreundet und prompt zwei Abende bei ihm zu Hause auf der Terrasse bei einem Drink verbracht. Er ist meganett und hat überall in Hunsur Einfluss, wie zum Beispiel bei der hiesigen Polizei. Fast jeder hier kennt und schätzt ihn. Früher war Prakash Bodybuilder, heute ist er Leiter vom „Spoorti“, hat eine Tanzcrew (und macht bei Meisterschaften mit :D),  außerdem ist er Farmer, Familienvater und geht bald in die Politik von Hunsur. Dieser Typ ist der Wahnsinn. Heute hat er für uns Volunteers sogar den Unterricht im Spoorti auf Eis gelegt, einen Van gemietet und ist mit uns nach Mysore gefahren, wo wir shoppen, essen und im Kino „Django Unchained“ gucken waren. In vier Tagen hat er mehr für mich und die anderen getan als andere Leute, die ich seit Jahren kenne. Und das, obwohl er gerade mal unsere Vornamen kennt!

 

Sonntag (31.3) kamen dann Magdalena und Simon von ihren Trips zurück. Magda kommt ebenfalls aus Good ol´ Jarmany, Simon ist Franzose, beide sehr nett. Mit Simon teile ich ein Zimmer und zusammen halten wir gegen diese bekackten winzigen Motten aus den Getreidesäcken stand. Unsere Gastfamilie hat es nämlich immer noch nicht hingekriegt, diese Säcke aus dem Zimmer zu entfernen und die Viecher werden immer mehr. Am liebsten mögen sie unsere Schuhe und Klamotten, sehr appetitlich. Wenigstens bieten uns die Moskitonetze etwas Schutz vor dieser Plage. Naja, es wird immer klarer, dass unsere Gastfamilie wahrscheinlich nur aus einem Grund Volunteers beherbergt: Cash. Während sie zu fast jeder Mahlzeit (die Basis ist entweder Chapati-Brot oder Reis) eine neue Soße essen, bekommen wir beispielsweise drei Mahlzeiten hintereinander dieselbe Soße vom Vortag. Gibt es Hühnchen, kriegen wir die magersten und knochigsten Teile, während sie, logisch, die guten Stücke schnacksen. Die Waschmaschine dürfen wir auch nicht mitbenutzen, aber mein! Geld, dass sie für meine! Verpflegung bekommen haben, das können sie sich schön in die Tasche stecken. Indian Hospitality, is klar...

 

Endlich konnte ich mir in Mysore auch mal neue lange Hosen kaufen, die nicht so dick wie meine Jeans von zu Hause sind. Hier in Hunsur ist es ziemlich heiß, trotzdem gehört es zum Verhaltenskodex, stets eine lange Hose zu tragen. Ich möchte nicht mehr auffallen, als ich es als Weißer sowieso schon tue. Das Gestarre und ständige, teils sarkastische Grüßen der Einwohner kann manchmal echt nerven. Letztens wurden Puneh und Magda am „Shit Place“ (so nennen wir den Platz am Fluss, weil er ziemlich dreckig ist und stinkt :D) von ein paar Jungs mit Mist, Steinen und Stöcken beworfen, weil sie weiß sind und keine 10 Rupien abdrücken wollten. Prakash hat das kurz darauf von mir erfahren und die Jungs zur Polizei gebracht, haha. Naja, ein paar Schellen hat er auch ausgeteilt, Pädagogik ist Indien auch nicht gerade ausgereift. Ansonsten ist mein Alltag recht gechillt: um 9 Uhr morgens aufstehen, gemütlich frühstücken, auf dem Weg zum Projekt einen indischen Kaffee trinken (legger!) und dann um 11 Uhr im „Spoorti“ bis 15:30 Uhr unterrichten. Zwischendurch habe ich anderthalb Stunden Pause und geh zurück zur Gastfamilie, um Lunch zu essen. So langsam fädele ich mich hier in Hunsur ein...

 

Sonntag, 31. März 2013

Freitag, 05.04.2013

Gestern bin ich in der Gastfamilie angekommen. Wir fuhren mit einem alten Bus voller Wanzen ungefähr anderthalb Stunden von Mysore nach Hunsur, es war ein ziemlich ruckliger Trip weil die Federung des Busses wahrscheinlich schon sehr lange ausgeleiert ist. Naveen, unser Koordinator, begleitete uns dabei und wartete bis Sebastian, dann Puneh und Theresa und letztlich ich von meinem Gastvater namens Jayaramegowda (sprich „Dscharramehgohda“) abgeholt wurde. Mit meinem schweren Backpacking-Rucksack saß ich auf seinem Roller und nach ein paar Minuten fahrt sind wir dann am Haus unserer Familie angekommen. Sie scheinen eine wohlhabendere Familie zu sein, haben einen großen Flatscreen von Sony und Smartphones. Die Familie besteht aus jenem Jayaramegowda, das Familienoberhaupt, Farmer, und Sunita, Politikerin in der Kommune, die ich die Uncle und Auntie nennen soll oder eher darf. Hinzu kommen deren Tochter Bumika und Sohn Rikas, Angestellter bei einer Cooperation. Bumika ist 24 Jahre alt und hat zwei total niedliche Töchter, Sony und Nudi. Nudi ist sieben Jahre alt und beherrscht für ihr Alter die englische Sprache sehr gut. Rikas ist wiederum mit Deepu verheiratet, ihre Tochter Snighda ist noch ein Kleinkind und zuckersüß. Nudi ist sehr gesprächig und neugierig, mit ihr unterhalte ich mich gerne, weil sie mich mit ihren Fragen vom zu vielen Nachdenken über die Probleme zu Hause ablenkt. Generell ist die Familie nett, wenn auch etwas distanziert. Ich sollte auch aufhören, mich für alles ständig zu bedanken, da sie sich darüber etwas lustig machen. Mein Zimmer befindet sich auf dem Dach des einstöckigen Hauses, eigentlich ist es nur ein Betonschuppen mit Wellblechdach und zwei Betten, aber es erfüllt seinen Zweck. Immerhin habe ich hier Licht und Steckdosen. Im zweiten Bett schläft momentan eigentlich ein Franzose, dessen Namen ich wieder vergaß, morgen soll er von seinem Trip nach Mumbai zurückkommen. Bis dahin hält mein neuer Freund, der kleine Gecko zwischen den Plastikrohren auf dem Brett über dem Fenster, als nächtliche Gesellschaft für mich her :) . Ach ja, eine dritte Gasttochter gibt es auch, Magdalena aus Deutschland, heute abend soll sie wieder zurück sein, denn sie war auch unterwegs. Ich freue mich, im Haus eine Deutsche zu haben, nur komischerweise hat Sunita, äh ich meine Auntie, mich gebeten, auf englisch mit ihr zu reden. Das finde ich komisch, weil die Familie unter sich während meiner Anwesenheit auch die ganze Zeit Kannada spricht... naja, man muss ja nicht alles hinterfragen. Gestern Abend, als ich in meinem Zimmer las, fühlte ich mich sehr einsam und hatte ganz schönes Kopfkino. Ich dachte schon wieder zu viel über das Mädchen nach, dass sich im Dezember nach fünf Jahren Beziehung von mir trennte. Hier merke ich, dass es immer noch sehr weh tut und ich diesen heftigen Einschnitt in mein Leben noch lange nicht überwunden habe. Ich muss beschäftigt bleiben, dann kann ich die Trauer und alle „Was wäre wenn“-Gedanken in Schach halten. Naja, ab heute Abend werde ich mich wohl nicht mehr ganz so alleine fühlen, schätze ich. Nichts gegen meine Gastfamilie, aber einem Menschen tut es gut, Kontakt zu jemand anderen aus seiner Heimat zu haben. Morgen werde ich dann hoffentlich endlich alle diese Blogeinträge und vielleicht auch ein paar Fotos hochladen, wenn ich das Internetcafé finde. Ich gehe gleich nochmal ins Dorf und suche das Internetcafé und ein Moskitonetz gegen diese lästigen fliegenden Käfer, die anscheinend von den in meinem Zimmer deponierten Getreidesäcken kommen und sich nachts trotz Autan ständig auf meine Haut setzen. Es ist sechs Uhr abends, die Sonne wandert rapide Richtung Horizont und die Temperatur beträgt geschätzte angenehme 23 Grad Celcsius. Keep it up, Leute. Ich vermisse euch. 

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